KfW Mittelstandsmonitor 2010: Marktversagen bei der Finanzierung von Innovationen?

Die Finanzierung von Innovationen in kleinen und mittleren Unternehmen untersucht der aktuelle KfW Mittelstandsmonitor in Kapitel 5. Dem Hervorbringen erfolgreicher Innovationen stehen verschiedene Hemmnisse entgegen.

Als wichtigste Innovationshemmnisse werden in Unternehmensbefragungen hohe Innovationskosten und Finanzierungsschwierigkeiten genannt. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass Unternehmen häufig über verschiedene Innovationsideen verfügen und knappe Ressourcen in jene Projekte gelenkt werden müssen, welche die höchsten Erträge versprechen. Allerdings gibt eine Vielzahl von Studien auch Hinweise darauf, dass die genannten Finanzierungsschwierigkeiten Ausdruck von Marktversagen bezüglich der Finanzierung von Innovationen sind. Darüber hinaus können auch Unterschiede bei der Finanzierungvon Investitionen und Innovationen festgestellt werden. So dominieren bei der Innovationsfinanzierung mit 71 % des geleisteten Volumens interne Mittel, während dieser Anteil beiden Investitionen lediglich 48 % beträgt.

Nutzung von Finanzierungsinstrumenten für die Finanzierung von Innovationen


Anders als Investitionen werden Innovationen von mittelständischen Unternehmen zum weit überwiegenden Teil aus internen Quellen finanziert. So dominieren bei der Innovationsfinanzierung mit 71 % des geleisteten Volumens interne Mittel, während dieser Anteil bei den allgemeinen Investitionen lediglich 48 % beträgt. Über Bankkredite werden nur 12 % der Innovationsaufwendungen finanziert.

Die vergleichsweise hohe Bedeutung interner Mittel bei der Innovationsfinanzierung belegt empirisch die aus der volkswirtschaftlichen Theorie abgeleitete Problematik der Informationsasymmetrien zwischen Unternehmen und externen Finanziers, die vor allem einer Finanzierung von Innovationen durch Bankkredite entgegenstehen. Davon sind insbesondere die hochinnovativen Unternehmen betroffen, die für den Strukturwandel und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands von besonderer Bedeutung sind. So können vor allem Unternehmen, die eine hohe FuE-Intensität aufweisen – gemessen als FuE-Ausgaben am Jahresumsatz – sowie originäre Innovationen hervorbringen, aufgrund der geringen Risikotragfähigkeit kaum auf Bankkredite zurückgreifen.

Auch Beteiligungskapital – als für Innovationen besonders geeignete Finanzierungsquelle – steht als Alternative nur im geringen Umfang Verfügung. Lediglich 2 % der Innovationsaufwendungen mittelständischer Unternehmen werden darüber finanziert. Beteiligungskapitalfinanzierungen konzentrieren sich auf junge, hochinnovative Unternehmen, die häufig die Gewinnschwelle noch nicht erreicht haben.

Mithilfe von Zulagen und Zuschüssen werden 7 % der Innovationsaufwendungen finanziert. Die Bedeutung von Zulagen und Zuschüssen steigt mit zunehmender Technologieorientierung des Unternehmens, sodass sie vorrangig jenen Unternehmen zugutekommen, die hohe Innovationsanstrengungen leisten. Auch Mittelständler aus den neuen Bundesländern nehmen Zuschüsse und Zulagen deutlich stärker in Anspruch als ihre Pendants in den alten Bundesländern.

Ein Mangel an externen Finanzierungsquellen und die damit verbundene starke Abhängigkeit von der Innenfinanzierungskraft wirkt sich negativ auf die Innovationstätigkeit der Unternehmen aus: So sind die internen Mittel beschränkt, sodass insgesamt weniger Innovationsvorhaben umgesetzt werden können. Darüber hinaus bedeutet dies, dass das Innovationsverhalten stark der momentanen wirtschaftlichen Situation angepasst werden muss. Bei einem Zurückfahren der Innovationstätigkeit in konjunkturell schwierigen Phasen droht den Unternehmen, dass durch Personalabwanderungen wichtiges Knowhow unwiederbringlich verloren geht. Außerdem werden langfristige Innovationsvorhaben entweder häufig zu klein dimensioniert, um auch bei einer sich verändernden Gewinnsituation weiterfinanziert werden zu können oder es werden insgesamt weniger langfristige Innovationsvorhaben und dafür mehr kurzfristige Entwicklungsprojekte durchgeführt.

Dies hat zur Folge, dass seltener grundlegende Neuheiten hervorgebracht werden.

Quelle:
Volker Zimmermann (2010), Die konjunkturelle Lage kleiner und mittlerer Unternehmen, in:
KfW, Creditreform, IfM, RWI, ZEW (Hrsg.),
Konjunkturelle Stabilisierung im Mittelstand – aber viele Belastungsfaktoren bleiben.
MittelstandsMonitor 2010 – Jährlicher Bericht zu Konjunktur- und Strukturfragen kleiner und mittlerer Unternehmen,
Frankfurt am Main, 165–170.

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